Eingangsstufe

 

Ein Angebot auf pädagogischem Neuland


"Die Stärken von Kindern zu erkennen und die individuellen Fähigkeiten und Interessen zu fördern, ist eine Aufgabe sowohl der Kindertagesstätte als auch der Grundschule. Dabei werden Kinder im Alter von 4 bis 8 Jahren als eine Gruppe betrachtet, die zwar erhebliche Unterschiede in ihrer Entwicklung aufweist, sich aber vor und nach Schuleintritt nicht grundsätzlich unterscheidet. Bei der Entwicklung entsprechender Angebote und Bildungspläne sollen sich die Potenziale und Kompetenzen des Kindergartens und der Grundschule ergänzen".

 

_mg_0040-resized-resizedAus: Beschluss von KMK und Jugendministerkonferenz zur „Weiterentwicklung des Zusammenhangs von Bildung, Erziehung und Betreuung", Juni 2004
 
Wir sind eine lernende Schule. Die bildungspolitischen Entwicklungen in Deutschland und weit darüber hinaus entgehen uns daher nicht. Der PISA-Prozess hat zu Recht auch die vorschulische Pädagogik in die Debatte gebracht und mit Alternativen anderer Länder verglichen. Die Konsequenzen, die das Eingangszitat andeutet, stecken in der Bundesrepublik allerdings in den Anfängen, verbleiben noch sehr in der akademischen und politischen Diskussion oder beginnen nur isoliert in den behördlich meist getrennten Institutionen von Kindergarten und Grundschule. Wir haben also gegenüber Deutschland keinen Nachholbedarf: Ein anspruchsvolles Bildungskonzept ist in unserem vorschulischen Bereich längst präsent, und das unbürokratische Miteinander unserer verschiedenen Abteilungen und Zweige macht uns flexibel, innovativ und setzt Synergien frei.
 
Angebot Eingangsstufe
Deshalb begannen wir im August 2005 einen Schulversuch, der aus unserer Entwicklung eines einheitlichen Bildungsplans - vom vorschulischen Bereich hinein in die Grundschule - hervorgegangen ist. Wie gewohnt nahmen eine Vorschulgruppe und eine 1. Klasse ihre Arbeit auf. Aber daneben gab es das Angebot einer integrierten Eingangsstufe, in der Vorschüler und Erstklässler im Zeitraum von ein bis max. drei Jahren gemeinsam betreut und unterrichtet werden.
Die Eltern haben also die Alternative, ihr Kind entweder auf den bewährten Weg zu schicken oder sich zusammen mit ihm auf unser neues Modell einzulassen. Für beide Varianten sprechen gute Gründe. Die für die Eingangsstufe sind allerdings neu und sollen daher etwas näher beleuchtet werden.
 
Mögliche Gründe
Viele Eltern werden fragen, ob es um die Senkung des Einschulungsalters gehe, von dem in Deutschland viel geredet wird. Das ist uns kein primäres Anliegen, obwohl der Effekt bei den Vorschul-Kindern eintreten kann, deren individuelles Lerntempo so groß ist, dass sie nach einem Jahr Eingangsstufe gleich in die 2. Klasse wechseln können. Die Regel werden aber zwei Jahre in der Eingangsstufe sein - und sogar drei Jahre sind möglich, um einem Kind das Misserfolgserlebnis einer Klassenwiederholung zu ersparen. Flexibler und störungsfreier Übergang in die weitere Grundschule - bemessen am individuellen Fortschritt des Kindes, statt an Geburtsdaten oder Schulreife-Tests - heißt also ein Leitgedanke. Der bekannten Problematik, dass einige Kinder in der 1. Klasse deutlich unterfordert werden, weil ihnen die Welt der Buchstaben und Zahlen schon recht vertraut ist, während andere den neuen Anforderungen noch kaum gewachsen sind, kann damit effektiv begegnet werden.
 
Ob die Eingangsstufe noch dem Vorschulbereich des Kindergartens oder schon der Grundschule angehöre, könnte eine weitere Frage sein. Wir würden mit Prof. Fthenakis (dem Fachmann für frühkindliche Pädagogik und Berater unserer Arbeit) antworten, dass wir sie einer „vertikalen Neugestaltung des Bildungsverlaufs" zuordnen und in die pädagogische Verantwortung der Grundschule übergeben. Allerdings soll sie die traditionelle Zuweisung gerade aufheben und es damit ermöglichen, dass die beträchtlichen pädagogischen Erfahrungen und Kompetenzen von Kindergarten und Grundschule kombiniert und wirksam werden können. In dieser Hinsicht hat die deutsche Primarpädagogik sicher einiges verschenkt, indem sie ihre Potenziale und Talente getrennte Wege gehen ließ.
Damit dürfte sich auch die Frage klären lassen, ob in der Eingangsstufe nicht eine Unterforderung der Größeren bzw. eine Überlastung der Kleineren zu befürchten sei. Wir wollen nicht den Eindruck verbreiten, unser Modell sei das optimale Angebot für jeden Typus kindlichen Lernens. Vielmehr wird es von einer erfahrenen Vorschul- und Grundschul-Lehrkraft gemeinsam verantwortet, auf die möglichst viel Unterricht konzentriert ist. Es bringt neue Arbeitsformen und eine veränderte Lernkultur mit sich, die den Unterschieden der Schüler Rechnung tragen sollen:
• Gemeinsam unterrichtete Fächer und Bereiche fördern ein kooperatives Klima, in dem die Kleinen mit und von den Großen lernen wollen und diese ihrerseits ihr Wissen vertiefen, wenn sie es an die Kleinen weitergeben sollen. Von dieser Form der ‚Koedukation' profitieren also beide Gruppen und werden zu aktiveren Mitgestaltern ihrer schulischen Erziehung.
• Differenzierte und dabei durchlässige Unterrichtsbereiche zielen des Weiteren auf individuelle Unterschiede, die anfänglich eher altersbedingt sind, sich aber zunehmend im Lernzuwachs zeigen und dann zu einer angemessenen Einstufung führen. Neue und individualisierte Bildungsprofile, unabhängig von einer festen Alterszuordnung, werden dadurch möglich.

 
Begleitumstände
Was bei diesen offenen Arbeitsformen nicht zu kurz geraten darf, ist die planvolle Abstimmung der Unterrichtsinhalte, eine sorgfältige Dokumentation und Berücksichtigung der kindlichen Leistungsfortschritte sowie die Elternberatung und Förderung bei Lernproblemen. Auf diese Anforderungen haben wir uns personalpolitisch, durch Fortbildungen und in eigener Bildungsplanarbeit vorbereitet.

Unser Schulversuch und die Erfahrungen damit könnten auch für bildungspolitische Entscheidungen in Deutschland nützlich sein.

Die pädagogischen Fachkräfte der GESS stehen Ihnen als Eltern der potenziellen Vorschüler - und auch der kommenden Erstklässler - bei der Bewerbung für die Eingangsstufe wie für den traditionellen Weg gerne beratend zur Seite.
Herr Frank Sauer, Leiter der Grundschule
Frau Gabriele Wensky, Leiterin des Kindergartens und der Vorschule
Herr Jürgen Völker, pädagogischer Koordinator und Leiter der Sekundarstufe I


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